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Künstler Erklärung

Der Mensch

Im künstlerischen Prozess liegt mir daran, Weiblichkeit, Sinnlichkeit und Körper zu erforschen – und dabei, Schicht für Schicht, Identität und Intimität freizulegen. Die Zumutungen des Alltags und seiner Katastrophen schreiben sich in unsere Körper ein.

Dabei interessiert mich besonders die Diskrepanz zwischen alten, klassischen Rollenmustern und neuen sozialen Rollen, Geschlechtsidentitäten, bis hin zur Loslösung von der Geschlechterbinarität. Aber nicht allein die Entwicklung von Einem zum anderen, sondern deren Gleichzeitigkeit. Während uns das Alte – ob nun als Anspruch von außen oder aus uns selbst heraus – gepackt hält, expandiert zugleich unser Selbstverständnis schon längst in neue Regionen. Die eigene Identität scheint sowohl festgeschrieben, wie auch frei wählbar. Das ist nicht nur Freiheit, sondern auch eine zunehmende Belastung, der wir gerecht zu werden suchen.

 

Als Feldforscherin, oder besser, als  „teilnehmende Beobachterin“, wie die Ethnologie das vielleicht nennen würde, als gleichermaßen Beteiligte als auch Beobachterin  der Transformation des mit sich selbst einverstandenen Körpers (ein Ideal, dass natürlich so nie zu haben ist) in den sozialen (mit all seinen Verletzungen, seiner Widerständigkeit und seiner Würde) versuche ich diese in der Regel unsichtbaren, versteckten Gravuren in meinen Bildern sichtbar zu machen.

Dabei hat sich für mich herausgestellt, dass meine Suchbewegung im Arbeitsprozess weniger von Oberfläche, von Schattierungen, Farben und Flächen in die Tiefe vordringt, als vielmehr umgekehrt. Geführt durch den Blick als Zeitgenossin, durch Empathie und Alltagserfahrungen, die denselben oder doch verwandten Widrigkeiten in Theorie und Praxis ausgesetzt ist, hole ich dies in die Körperdarstellung hinein.

Wie immer ist weniger das Sujet der Hauptbestandteil der kommunikativen Mitteilung des Bildes als der Stil, in dem es über seine Sujets spricht – gleich ob gegenständlich oder nichtgegenständlich.

Dem entsprechen für mich leichte, flexible, anpassungsfähige Medien und Materialien wie Kohle, Pastell, Graphit, vor allem aber Aquarellfarben, unter anderem auf holzfreiem Steinpapier, das ein gleitendes, aber nicht immer bis ins Letzte planbares Arbeiten erlaubt.

Diese Medien ermöglichen mir, scheinbare Gegensätze wie Zartheit und Vehemenz, Schutzbedürfnis und Eigenständigkeit gleichwertig nebeneinander zu stellen, da sie präzise oder fließend, taktvoll oder klar, verblassend transparent oder opak reagieren – ganz so, wie die Arbeit am Bild es jeweils erfordert.