Januar 15, 2026

Nach längerer Zeit gibt es hier wieder ein Interview – und ich freue mich wirklich darüber. Denn dieses Mal hat Birgit Susemihl meine Fragen beantwortet. Seit Jahren nehmen wir beide an der Jahresrückblick-Challenge von Judith Peters teil. So haben sich unsere Wege – oder Fäden – immer mal wieder gekreuzt. Deshalb freut es mich besonders, dass wir jetzt tatsächlich zusammenarbeiten konnten.

Birgit arbeitet mit Sprache in ganz unterschiedlichen Formen: als Texterin und Lektorin, und als Autorin eigener fiktionaler Texte. In ihren Romanprojekten und Blogtexten zeigt sich eine große Aufmerksamkeit für Zwischentöne, für Figuren, und ein gutes Gespür für das Zusammenspiel von präziser Sprache und erzählerischer Offenheit.

Vorstellung

Wie ist dein Name?
Birgit Christina Susemihl

Wo lebst du?
Im Oldenburger Münsterland im Nordwesten von Niedersachsen.

Welche Art von Kunst/Kreativität machst du hauptsächlich? 
Ich schreibe! 2024 ist mein erster Jugendfantasy-Roman „Weltenfäden – Ein wolltastisches Abenteuer“ erschienen. Bis dahin habe ich eher Kurzgeschichten geschrieben und Flash Fiction, also ganz kurze Geschichten um 1000 Wörter.

Hast du eine formale Ausbildung absolviert oder bist du Autodidakt?
Ich habe Anglistik und Germanistik studiert, später dann ein Fernstudium PR/Öffentlichkeitsarbeit gemacht. Ich habe keine Ausbildung im kreativen Schreiben. Dafür habe ich beruflich immer viel geschrieben: Pressemitteilungen, Werbetexte und so etwas. Und ich lese sehr viel.

Wo kann man deine Arbeiten sehen? Hast du eine Website oder Social-Media-Profile, die du teilen möchtest? „Weltenfäden“ ist im Novel Arc Verlag erschienen und als Hardcover und E-Book überall erhältlich, wo es Bücher gibt. Mehr über mich als Autorin gibt es auf meiner Website. Außerdem findet man mich auf Instagram, Facebook und Threads.

Meine Interview-Partnerin, die Autorin Birgit Susemihl, mit ihrem Buch auf einem Feld.

Birgit Christina Susemihl mit ihrem Debütroman.

Du bist kreativ. Warum?

Wie bist du zur Kunst gekommen? Wo hat deine kreative Reise begonnen?

Ich habe immer viel gelesen und schon als Kind ab und zu davon geträumt, einen Roman zu schreiben. Irgendwann damals habe ich tatsächlich mal versucht, einen Krimi und eine Art Mystery Thriller zu schreiben, aber daraus ist nicht viel geworden.

Das berufliche Schreiben – erst als freie Mitarbeiterin einer Lokalzeitung, später in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit am Theater – hat mich immer begleitet. Als ich mich dann als Texterin selbstständig gemacht habe, wurde der Wunsch, auch eigene Projekte zu schreiben, wieder größer. Angefangen hat es dann mit einem Märchen für einen regionalen Wettbewerb und kurzen Geschichten.

Was inspiriert dich?

Das ist ganz unterschiedlich. Die Natur, zum Beispiel meine vielen Wanderungen durch den Harz, wo ich lange gelebt habe. Manchmal ein bestimmter Moment, etwas, das ich gerade vor mir sehe beim Spazierengehen. Oder ein Thema, über das ich etwas höre oder lese und plötzlich das Gefühl habe, da steckt eine Geschichte drin.

Gibt es bestimmte Künstler*innen oder Stile, die dich beeinflussen?

Als Autoren bewundere ich Steven King und Chuck Wendig sehr für ihre wunderbare Art, Geschichten zu erzählen, und für ihre meisterhafte Erzählperspektive, die einen ganz nah an die Figuren heranlässt. Aber ich lese ganz unterschiedliche Autorinnen und Autoren, vor allem Science Fiction, Fantasy und Horror.

Wie sieht dein kreativer Prozess aus? 

Ich schreibe ganz klassisch am Computer, allerdings nicht mit einem Textverarbeitungsprogramm, sondern mit einem Autorenprogramm, das über das Schreiben hinaus noch andere Möglichkeiten bietet. Am PC bin ich schneller und weiß, dass ich leicht etwas ändern oder umstellen kann. Das hilft gegen die „Angst vor der leeren Seite“. Notizen mache ich mir dagegen gern mit der Hand in einem Notizbuch oder auf lauter kleinen Zetteln, die in eine Schachtel für das jeweilige Projekt kommen.

Ideen entstehen spontan, irgendwann, irgendwo. Deshalb versuche ich, immer einen Stift und ein Notizbuch dabei zu haben, um sie nicht zu vergessen. Ich habe sogar einen leuchtenden Kugelschreiber, damit ich nachts Ideen notieren kann, ohne meinen Partner aufzuwecken.

Bei „Weltenfäden“ habe ich, nachdem die Grundidee klar war, einfach drauflos geschrieben. Ich bin noch dabei herauszufinden, wie ich einen Roman am besten planen kann und ob mir das überhaupt hilft. Oder ob ich einfach der Typ bin, der die Geschichte erst beim Schreiben selbst richtig „entdeckt“.

Gibt es ein bestimmtes Projekt oder Werk, das dir besonders viel bedeutet?

Mein Debüt- (und bisher einziger) Roman hat natürlich einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen! Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, die Geschichte zu schreiben. Und ich bin sehr glücklich, dass der Novel Arc Verlag ihr ein Zuhause gegeben hat, so dass Jula und das junge Schaf Holly, meine beiden Hauptfiguren, in die Welt kommen durften!

Weltenfäden - Ein wolltastisches Abenteuer

Die 13-jährige Jula merkt, dass etwas nicht stimmt in ihrer heilen, geruhsamen Welt zwischen Wiesen und Feldern. Ganz ohne Vorankündigung oder Erklärung verschwindet ihr Bruder. Stattdessen taucht eine unbekannte Schwester auf, als wäre sie schon immer da gewesen. Aber das war sie nicht, da ist sich Jula ganz sicher.

Eine Geschichte über die fantastische Sagenwelt der Schafe - voller Spannung und Humor.

Abbildung Novel Arc Verlag

Was war die größte Herausforderung, die du als Künstler bisher überwinden musstest?

Ich habe den Verlagsvertrag unterschrieben, als der Roman erst ungefähr zu einem Drittel fertig war. Wir haben einen Abgabetermin fürs Manuskript vereinbart, und es war plötzlich ein gewisser Zeitdruck da. Dieser Übergang – vom Drauflosschreiben ohne Ziel und Termin zu einem konkreten Projekt mit Zeitleiste und Erwartungen anderer – war schon ein Schritt.

Plötzlich MUSSTE der Roman fertig werden. Es war eine Herausforderung, die Leichtigkeit beim Schreiben trotzdem zu erhalten. Und natürlich war es auch ungewohnt, das Romanschreiben genauso wichtig zu nehmen und als Arbeit zu verstehen wie die Texte für meine Kund*innen. Die Arbeit am Roman war plötzlich nicht mehr nur ein Hobby.

Wie wichtig ist dir die Verbindung und Interaktion mit anderen Künstler:innen und Kreativen?

Gerade als Debütautorin finde ich es toll und wichtig, mich mit anderen Autor*innen, aber auch anderen Künstler*innen zu vernetzen. Unser Verlag bietet uns diese Möglichkeit ganz bewusst, und wir haben uns gerade um die Erscheinungstermine herum viel ausgetauscht und gegenseitig unterstützt. Über Social Media habe ich auch Kontakte zu anderen Schreibenden geknüpft. Es ist sehr spannend, mitzuerleben, woran andere gerade arbeiten, mit welchen Problemen jede*r gerade kämpft, und dann von den fertigen Büchern zu erfahren. Ich glaube, wir Schreibenden sollten uns gegenseitig nicht als Konkurrenz sehen, sondern als Bereicherung. Auch dann, wenn wir im selben Genre schreiben.

Die frisch gelieferten Exemplare des Buches Weltenfäden in einem Karton.

Die Signier-Exemplare kommen an ...

Erste Seite des Buches Weltenfäden. Die Autorin hat begonnen zu signieren.

... und werden signiert.

Was bedeutet Kunst für dich? Welche Rolle spielt sie in deinem Leben?

Literatur war für mich immer präsent – als Fluchtpunkt, als Unterhaltung, zum Abschalten, aber auch als Spiegel der Gesellschaft, als Utopie oder Dystopie. Und einfach als faszinierender, kreativer Umgang mit Sprache. Auch das Theater hat schon seit meiner Schulzeit immer eine wichtige Rolle gespielt. Erst als Zuschauerin, dann war ich im Studententheater selbst aktiv, und beruflich hat es mich auch ans Theater gezogen. Aber auch die bildende Kunst fasziniert mich sehr und gibt mir neue Betrachtungsweisen, eine andere Sicht auf Dinge. Und ich mag die Möglichkeit, die sie bietet, aus der Perspektive einer anderen Zeit auf Menschen, Dinge und Orte zu gucken.

Welche Rolle spielt deiner Meinung nach Kunst in der Gesellschaft? Welche Aufgaben haben Künstler:innen in der Gesellschaft?

Ich glaube, Kunst hat eine schwierige Doppelfunktion. Einerseits darf sie Schönheit um ihrer selbst willen, ohne darüber hinausgehenden Zweck sein, darf unterhalten und ablenken. Andererseits kann und muss sie auch Stellung beziehen, den Finger auf die Wunde legen, politisch sein.

Diese beiden Aspekte müssen für mich nicht in jedem Kunstwerk beide gleichermaßen vorhanden sein. In einem Werk kann einer der Aspekte überwiegen oder allein vorhanden sein. Aber die beiden Seiten der Kunst können auch beide zugleich präsent sein – oder Betrachter*innen sehen sie abwechselnd, wie in einer Art Vexierbild – und das kann den Genuss sogar noch erhöhen. Wenn mir etwas ästhetisch gefällt, aber auch eine aktuelle Aussage transportiert. Am Theater, gerade im Schauspiel, aber auch im Film habe ich das oft gefunden.

Welche Themen sind dir wichtig? Gibt es ein Thema oder eine Botschaft, die du in deiner Kunst transportieren möchtest?

Für „Weltenfäden“ hatte ich zunächst keine konkrete Botschaft im Kopf, sondern wollte eine Art Märchen (wenn man Fantasy so nennen will) erzählen, das in unserer heutigen Welt spielt und ein Schaf und ein 13-jähriges Mädchen zusammen in ein Abenteuer wirft. Beim Schreiben sind dann natürlich Dinge hineingeflossen, die mir wichtig sind: Freundschaft, das Verständigen über Unterschiede hinweg (Jula und das Schaf Holly müssen ja irgendwie kommunizieren, um gemeinsam handeln zu können), Mut, das Überwinden von Ängsten und Unsicherheiten, Loyalität. Eine wichtige Rolle spielt auch das Anderssein: Holly, das Herdentier, ist lieber für sich als im Trubel der Herde.

Gute, im Sinne von gut zu lesende, gut in eine spannende Handlung zu verpackende Themen, die ich gerne in meinen Geschichten behandeln würde, sind zum Beispiel Umweltschutz, Klimakatastrophe und der Umgang mit dem Altwerden. Aber auch so Science-Fiction-Themen wie die Begegnung und Kommunikation mit dem vollkommen Fremden.

Drei Schafe auf einer grünen Wiese

Begegnung mit Holly?


Vielen Dank, Birgit!

Deine Chance: Werde Teil meiner Interviewreihe!

Wenn du selbst Künstler*in oder Kreativschaffende*r bist, ganz gleich, ob in der Malerei, Musik, Literatur oder einer anderen Form der Kunst, und Lust hast, über deine Arbeit und deinen kreativen Prozess zu sprechen, dann melde dich gerne bei mir.
Ich freue mich darauf, in meiner Interview-Reihe die Vielfalt der kreativen Ausdrucksformen zu zeigen und von deinen Perspektiven und Erfahrungen zu lesen.


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About the Author Lea Finke

Lea Finke ist Künstlerin mit ganzer Seele. In ihrem Blog erzählt sie von Inspiration, Leidenschaft und der Begegnung mit Kunst.

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