Es ist etwas Besonderes, eine alte Ansichtskarte in der Hand zu halten. Die Ränder sind weich geworden, eine Ecke fehlt, das Papier ist vergilbt, die Farben verblasst. Und vielleicht trägt sie die Handschrift eines Menschen, der vor mehr als hundert Jahren ein paar Zeilen an Familie oder Freunde schrieb.
Vergangenheit wird greifbar.
In meiner Kindheit, in grauer Vorzeit also, der Pre-Smartphone-Ära, waren Ansichtskarten unser Social Media. Sie zeigten berühmte Bauwerke, pittoreske Landschaften, Straßenszenen oder Kunstwerke und brachten ein Stück der Welt in den Briefkasten.
Wenn man heute historische Ansichtskarten betrachtet, geben sie Einblicke in das Leben ihrer Zeit und den Blick, den Menschen auf ihre Umgebung hatten.
Erinnerungen in einer Schachtel
Ich muss gestehen, ich habe eine echte Schwäche für Ansichtskarten. Auch wenn man heute viel schneller Grüße aus dem Urlaub schicken kann. Jeder Laie kann mit einem Smartphone großartige Bilder machen; die Farben sind viel lebendiger - aber am Ende ist es doch nur eine Masse an Fotos auf dem Handy. Oder geht es nur mir so?
Ich sehe mir Bilder auf dem Handy kaum an, vielleicht direkt nach dem Urlaub, aber danach?
Und selbst wenn, dann sind es so viele, dass sie mich oft nicht berühren.
Aber ein altes Fotoalbum durchzublättern oder die Schachtel mit den erhaltenen und gesammelten Ansichtskarten vorzukramen, das ist jedes Mal ein nostalgischer Nachmittag. Da sind Postkarten meiner Söhne von ihren Klassenfahrten, ein unerwarteter und umso erfreulicherer Gruß einer Freundin, eine Handschrift, die ich kenne, auf einem Bild von einem Ort, an dem ich nie war. Und manchmal sind es Urlaubsgrüße von fast vergessenen Bekannten.



Dann sind da noch die Ansichtskarten, die ich selbst gekauft und gesammelt habe. Aus fast jedem Museum, das ich besuche, nehme ich eine mit. Sie hält den ganzen Tag fest: das Bild, vor dem ich am längsten stand, und die Stimmung, mit der ich wieder hinausging.
Überhaupt, Stimmung. Ganz oft kommt es mir nicht auf das Motiv an. Manchmal ist es nur ein Detail, das mich catcht, eine Farbe, die Ruhe oder die Beschwingtheit. Daraus stelle ich mir gern eine Art Moodboard zusammen, wenn ich an einer Kunstserie arbeite. Keine Vorlagen, aber eine Inspirationsquelle. Oder auch eine Art Gefühls-Collage, um meine Empfindungen sichtbar zu machen und diese später in meine Kunst zu übersetzen.
Das Schöne an Ansichtskarten ist ja, dass sie so ausdrucksstark, aber klein sind. Sie lassen sich schnell verstauen und austauschen, neu kombinieren. Und irgendwann finden sie sich in der Schachtel, meiner kleinen Schatztruhe, wieder und warten darauf, an einem Nachmittag von mir mit einer Tasse Tee in der Hand wiederentdeckt zu werden.
Die älteste Postkarte der Welt war ein Witz
Die allererste Ansichtskarte wurde ca. 30 Jahre vor ihrer Erfindung verschickt. Sie erreichte am 14. Juli 1840 ein Haus im Londoner Stadtteil Fulham. Der Schriftsteller Theodore Hook hatte sie von Hand bemalt und an sich selbst geschickt.
1840 war das Jahr der großen Postreform in England. Vorher zahlte in Großbritannien, wie eigentlich auch überall sonst auf der Welt, nicht der Absender, sondern der Empfänger. Dieser konnte die Annahme allerdings auch einfach verweigern. Der Preis richtete sich nach der Entfernung und nach der Zahl der Blätter.
Für einen Arbeiter konnte ein einziger Brief mehr als einen Tageslohn kosten. Das ganze System galt als teuer, langsam und schlecht verwaltet. Außerdem war es ungerecht. Abgeordnete und Adlige durften kostenlos verschicken und dieses Privileg wurde massiv missbraucht, indem man auch für Freunde und Familie frankierte.
Rowland Hill, ein Lehrer, zeigte in seiner Denkschrift „Post Office Reform“ von 1837 auf, dass die Entfernung für die tatsächlichen Kosten fast keine Rolle spielte. Der eigentliche Aufwand entstand dadurch, dass unbezahlte Briefe einzeln zugestellt und kassiert werden mussten. Er schlug ein einheitliches Porto von einem Penny vor, im Voraus vom Absender bezahlt, egal wie weit entfernt.
Am 10. Januar 1840 kam die „Uniform Penny Post“, das Franking wurde abgeschafft, sogar das der Königin. Im Mai folgte die „Penny Black“, die erste Briefmarke im öffentlichen Postverkehr. Eigentlich war sie nur als Alternative gedacht. Hauptidee der englischen Post war die "Mulready-Ganzsache" – vorfrankierte Briefumschläge und Faltbriefe mit einem aufwendigen Motiv des Künstlers William Mulready. Diese kamen allerdings nicht besonders gut an. Die Briefmarke aber war ein voller Erfolg. Die Zahl der bezahlten Briefe stieg von rund 76 Millionen (1839) auf fast 350 Millionen bis 1850.
Die von Hook bemalte Karte zeigt Postbeamte, die um ein überdimensioniertes Tintenfass hocken, also das Bild von Schreibern, die im alten, umständlichen Papierkram ertrinken. Jede Sendung von Hand nach Blättern und Meilen ausrechnen, notieren, kassieren.
Hook war ein berüchtigter Spaßvogel, bekannt für aufwendige Streiche wie den Berners-Street-Schwindel. Die Karte war ein kleiner Scherz, der genau auf die Postbeamten zielte, durch deren Hände die Karte auf dem Weg zu ihm gehen würde.
160 Jahre lang dachte niemand an die Karte. Erst 2001 entdeckte ein Posthistoriker sie in einer Briefmarkensammlung: die älteste Bildpostkarte der Welt! 2002 wurde sie für 31.758,75 Pfund versteigert, ein Rekord. Denn offiziell wurde die Postkarte erst Ende der 1860er-Jahre in Österreich erfunden. Außerdem ist sie die einzige bekannte Postkarte, die mit einer „Penny Black“ frankiert wurde. In Großbritannien wurde die Postkarte nämlich erst 1870 eingeführt und da war die „Penny Black“ längst Geschichte.

Die älteste Ansichtskarte der Welt.
Zu unanständig für die Post
Ob Hooks bemaltes Kärtchen etwas mit der Entstehung der Idee einer Postkarte zu tun hatte, lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen. Vielleicht entstand sie sogar an verschiedenen Orten der Welt gleichzeitig, schlicht aus der Notwendigkeit und dem Willen zur Reform des Postwesens. Im deutschsprachigen Raum jedenfalls hatte, soweit wir heute belegbar wissen, den Einfall zur Postkarte zuerst der preußische Postbeamte Heinrich von Stephan.
Damals noch als „offenes Postblatt“: eine Karte ohne Umschlag, für kurze Mitteilungen, zu einheitlichem, niedrigem Porto. Seine Idee dahinter: Die Schrift habe sich immer weiter vereinfacht, von der Wachstafel über die Pergamentrolle bis zum gefalteten Brief; der Brief sei inzwischen zu umständlich und zugleich zu lang, weil die Konvention verbiete, sich auf die nackte Mitteilung zu beschränken. Eine Karte würde davon befreien.
Im Frühjahr 1865 brachte er die Idee seinem Vorgesetzten, Generalpostdirektor von Philipsborn, zur Kenntnis. Dieser fand die Idee unanständig. Wo bliebe denn das Private, wenn jedermann mitlesen könne?! Dass er außerdem auch sinkende Einnahmen befürchtete, spielte bestimmt nur eine Nebenrolle.
Ein halbes Jahr später fand in Karlsruhe die 5. Konferenz des Deutschen Postvereins statt. Heinrich von Stephan durfte seine Idee dort nicht offiziell vorstellen, aber er verteilte eine Denkschrift zu dem Thema am Rande der Konferenz. Noch war die Zeit nicht reif, doch die Idee war nun in der Welt.
Vier Jahre später legte der Wiener Nationalökonom Emanuel Herrmann die Idee in einem Zeitungsartikel dar. Als Ökonom rechnete er vor, dass sich die Karte trotz des halben Portos lohnen würde, weil die Menge der Sendungen enorm steigen müsse. Und schon war die Vorstellung einer Postkarte gar nicht mehr so undenkbar.
Herrmann wollte übrigens jede Karte auf zwanzig Wörter begrenzen, bis jemand die naheliegende Frage stellte, wer die Wörter zählen sollte.
Am 1. Oktober 1869 gab die österreichisch-ungarische Post die erste „Correspondenz-Karte“ aus. Sie kostete zwei Kreuzer, die Hälfte eines Briefes. Die alte Sorge um die offene Karte druckte man gleich mit auf. Für den Inhalt der Mitteilungen übernehme man keine Verantwortung.
Die erste Karte reiste noch am selben Tag von Perg ins nahe Kirchdorf, um einen Besuch abzustimmen. Dann explodierten die Zahlen. Allein in den letzten drei Monaten des Jahres 1869 wurden drei Millionen Karten verkauft. Dagegen kam kein Sittenwächter mehr an. Deutschland zog binnen eines Jahres nach.
Das lag wohl auch daran, dass am 26. April 1870 Heinrich von Stephan selbst Generalpostdirektor des Norddeutschen Bundes wurde und dort die Postkarte einführte.
Bismarck zeichnete im Juni 1870 die Verordnung ab, und am ersten Verkaufstag in Berlin, dem 25. Juni 1870, gingen über 45.000 Karten über den Tresen. Von Stephans einst „unanständiger“ Vorschlag hatte gewonnen.

Als die Bilder reisen lernten
Ein Bild trug die frühe Karte noch nicht. Es gab Ausnahmen wie die des Oldenburger Hofbuchhändlers und Druckers August Schwartz, der 1870 das Bild eines Artilleristen auf eine Postkarte druckte und sie an einen Verwandten nach Magdeburg schickte. Ob das Bildchen wirklich von Anfang an darauf war oder erst später hinzukam, wird bis heute bezweifelt. Einzelfälle blieben es ohnehin.
Wie die allererste Karte, die von Perg ins Nachbardorf Kirchdorf ging, um einen Besuch abzustimmen, war die Postkarte ein Werkzeug für kurze, praktische Mitteilungen. Es gab einfach keinen Grund für ein Bild.
Anfang des 19. Jahrhunderts war die Eisenbahn in England erfunden worden. Bis zur Mitte des Jahrhunderts zogen auch viele Länder auf dem europäischen Kontinent nach, darunter Österreich und Deutschland. Zunächst eigentlich für Handel und Industrie gedacht, machte sie auch den Personentransport deutlich günstiger und die Welt damit ein bisschen kleiner.
Heinrich Heine schrieb 1843, durch die Eisenbahn werde der Raum getötet, und es bleibe uns nur noch die Zeit. Er beschrieb, ihm sei, als kämen die Berge und Wälder aller Länder auf Paris angerückt.
Als Ende des 19. Jahrhunderts die Arbeiterbewegung die Verkürzung der Wochenarbeitszeit und arbeitsfreie Sonn- und Feiertage erkämpfte, bot sich auch Arbeitern erstmals überhaupt die Gelegenheit für Sonntagsausflüge. Dank der Eisenbahn war das Reisen schnell und günstig und nun war auch Zeit vorhanden.

Konstantinopel (heute Istanbul), Türkei – Eisenbahnmuseum und Leanderturm
Plötzlich fuhren nicht mehr nur Adelige an die See oder ins Gebirge, sondern auch das Bürgertum. Kurorte und Ausflugsziele blühten auf, sobald sie an das Bahnnetz angeschlossen wurden. Zum ersten Mal in der Geschichte hatten größere Bevölkerungsgruppen so etwas wie Urlaub, also einen Ort, an dem sie waren und ihre Freunde nicht.
Daraus entstand ein neues Bedürfnis. Wer verreiste, wollte nicht nur Grüße übermitteln, nicht nur „Hier ist es schön“, sondern auch „Ich war hier“. Eine Karte aus dem Kurort war ein kleiner sozialer Beleg. Reisen war neu, und dass man es sich leisten konnte, durfte ruhig zu Hause ankommen.
Das Foto vom Ort hatte man aber nicht selbst geknipst. Fotoapparate waren teuer und selten. Also musste das Bild fertig gekauft werden. Hier kam die Ansichtskarte ins Spiel: Sie war die erste Möglichkeit, den Daheimgebliebenen einen Ort zu zeigen, an dem man gerade war.
So ist es auch kein Zufall, dass die ersten Ansichtskarten fast ausschließlich touristisch interessante Orte zeigen: Sehenswürdigkeiten, Aussichtspunkte, Kurhäuser und Berggipfel. Die „Gruss aus …“-Karten, wie wir sie auch heute noch nennen.
Die frühen Ansichten wurden von Hand koloriert, bis in Zürich das Photochrom-Verfahren entwickelt wurde, mit dem sich ein Schwarz-Weiß-Negativ über mehrere Steine farbig drucken ließ.
Die Postkarte wurde erfunden, weil das Schreiben einfacher werden sollte. Zur Ansichtskarte wurde sie, weil die Menschen anfingen zu reisen und etwas mitzuteilen hatten, wofür Worte nicht reichten.
Sammelfieber: Ansichtskarten als Zeitdokument
Die Ansichtskarten waren so beliebt, dass sie beinahe sofort zu Sammlerobjekten wurden. Schon 1886 erschien in Leipzig die Zeitschrift „Der Postkartensammler“. Um die Jahrhundertwende gehörte in fast jeden Haushalt ein luxuriöses Sammelalbum. Mit dem „Karten-Sammler-Marsch“ fand die Ansichtskarte sogar Eingang in die Musik und beim Pariser Karnevalsumzug 1905 gab es einen eigenen Festwagen, der dem Postkartenfieber gewidmet war.
Die Philokartie, wie das Sammeln von Postkarten in der Fachwelt heißt, hat den Reiz des Unerschöpflichen. Eine Sammlung ist nie fertig. Fast jeder noch so kleine Ort hat seine eigenen Ansichtskarten, oft Hunderte verschiedene Motive. Und weil bis heute immer wieder neue Karten entstehen, lässt sich an ihnen die Entwicklung eines Ortes verfolgen.
Oft ist eine historische Ansichtskarte das einzige visuelle Zeugnis davon, wie eine bestimmte Straße, ein Gasthaus oder ein Bahnhof vor hundert Jahren aussah. Viele im Zweiten Weltkrieg zerstörte Gebäude existieren heute nur noch als Ablichtung auf einer Ansichtskarte.
Sammler spezialisieren sich meist auf ein bestimmtes Gebiet, ob es nun einzelne Orte sind, Themengebiete und Motive, Druckverfahren oder einzelne Künstler. Manchmal ist es sogar der Text. Sammler von Feldpostkarten oder Karten aus Kriegszeiten achten auf das Geschriebene. Egal in welchem Gebiet, fast immer geht es dabei um das Begreifen von Geschichte nicht nur als historische Entwicklung, sondern auch als persönliches Erleben Einzelner.

Wie das von Jim Walsh aus Toowoomba in Queensland. Ein Mann vom anderen Ende der Welt, der in Flandern Gräben und Wege baute. Er schickte eine mit „Good Luck“ bestickte Seidenkarte, hergestellt in Paris, nach Hause an seine Tante.
Er sei „still alive & kicking“. Dann schrieb er über das Wetter. Es regne hier viel. Er nehme an, es werde schon irgendwann aufklaren.
Bei Ypern ging die dritte Flandernschlacht in ihren dritten Monat. Dauerregen hatte die Landschaft in ein Meer aus Schlamm verwandelt. Der Beschuss hatte Entwässerungsgräben zerstört und in den Kratern ertranken die Männer. Jim Walsh erwähnte den Regen beiläufig, wie man übers Wetter plaudert. Auf einer offenen Karte, die jeder lesen konnte, mit einer Zensur im Rücken und einer Tante am anderen Ende der Welt, die sich sorgt – da schreibt man nicht, wie es wirklich ist. Da schreibt man, dass es regnet.
Jim Walsh kam nie nach Hause; er fiel am 21. Oktober 1917 bei Ypern.
Apropos nicht schreiben, wie es wirklich ist. Die britische Armee stellte ihren Soldaten kostenlose Feldpostkarten zur Verfügung. Das Porto war vorab bezahlt und sie wurden bei der Zustellung bevorzugt behandelt. Die Soldaten bekamen zwei Stück pro Woche und wurden ermuntert, sie statt Briefen zu benutzen. Allerdings tauschte man seine eigenen Worte gegen die Gewissheit, dass sie ankamen.
Denn auf der Rückseite gab es nur vorgedruckte Sätze: Mir geht es gut. Ich bin ins Lazarett eingeliefert worden – krank/verwundet – und es geht mir besser. Ich hoffe, bald entlassen zu werden. Ich werde zur Basis zurückgeschickt.
Der Soldat strich durch, was nicht zutraf. Datum, Unterschrift, fertig.
Obendrüber stand fett und unterstrichen: Wenn irgendetwas anderes hinzugefügt wird, wird die Karte vernichtet. Erlaubt waren ausschließlich Datum und Unterschrift. Kein Wort. Nicht eines.
Weil nichts Individuelles draufstand, gingen die Karten schnell durch die Zensur. In einer einzigen Woche des Jahres 1916 kamen 677.450 Postkarten von Soldaten aus dem Ausland in Großbritannien an. Die Karte in der Hand zu halten, hieß: Er lebt.
Vor drei Tagen jedenfalls.
Manchmal ist die Karte das Letzte, was von einer Reise bleibt.
Queenstown in Irland (1920 in Cobh umbenannt) war der letzte Hafen, aus dem Post von der Titanic abging, weshalb diese Karten oft den Stempel vom 11. April 1912 tragen, drei Tage vor dem Untergang.
Das Dienstmädchen Sarah Daniels schrieb an Bord an eine Freundin: „I wish you were here, it is a lovely boat.“ Sie überlebte. Der Erste-Klasse-Passagier Richard William Smith schrieb, er sei „just leaving for the land of stars and stripes“. Er zählte nicht zu den Überlebenden. Seine Karte wurde 2024 für über 25.000 Dollar versteigert.
Nachdem die Titanic mit dem Eisberg kollidiert war, lief der Postraum als einer der Ersten voll. Die Postbeamten der Titanic starben beim Versuch, die Postsäcke zu retten.
Bei historischen Ansichtskarten geht es eben nicht nur um ein Bild. Es sind die Emotionen und Geschichten, die die Karten weitertragen.
Ansichtskarten: Sammlung verkaufen
Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit Igor Adolph vom Datenstaubsauger entstanden und enthält Werbung.
Alle Inhalte beruhen auf meinen eigenen Erfahrungen und Gedanken.
Ansichtskarten sind noch immer ein Dauerbrenner, auch wenn das Sammelgebiet an Beliebtheit verloren hat. Darum wissen viele, die eine Sammlung geerbt haben, oft gar nicht, was sie da haben.
Zugegeben, nicht jede Sammlung enthält einen Schatz wie den, der 2015 für 166.000 Euro (mit Aufgeld über 200.000) versteigert wurde. Picasso schickte 1918 seinem Freund Apollinaire eine Postkarte mit einer Stadtansicht von Pau. Statt einer Nachricht kritzelte er eine kubistische Zeichnung auf die Rückseite. Immerhin, ein echtes Schnäppchen für einen Picasso!
Wer eine Ansichtskartensammlung verkaufen will und im Internet sucht, landet schnell beim Wort „Konvolut“. So heißt das im Handel: eine anonyme Kartenmenge, Stückzahl mal Schätzpreis. Alles, was ich in diesem Artikel beschrieben habe – die Orte, die Handschriften, die Geschichten – fällt dabei einfach hinten runter. Und damit oft auch der Wert.
Igor Adolph macht auf seinem Blog Datenstaubsauger.de etwas anderes: Er stellt komplette Sammlungen ausführlich vor, bevor sie verkauft werden. Er schaut sich an, welche Orte und Themen den Bestand prägen, über welchen Zeitraum er reicht, was die Stempel erzählen und welche Karten die Highlights sind.
Am Ende steht kein Gutachten, sondern ein Exposé – eine Sammlung mit Struktur und Geschichte, in dem Händler, Auktionshäuser und große Sammler sofort sehen, ob deine Karten zu ihrem Schwerpunkt passen und ihre Bestände sinnvoll ergänzen. Außerdem kannst du in eigenen Verkaufsanzeigen darauf verweisen und damit die Wertigkeit deiner Sammlung aufzeigen.
Wie das genau abläuft, kannst du in Igors Beitrag Ansichtskarten Sammlung verkaufen lesen.
Kunst, die keine sein wollte
Die Ansichtskarte war nie als Kunst gedacht. Sie sollte klein sein, billig und schnell. Ein Notbehelf für alle, die keine Zeit für einen Brief hatten. Man erfand sie, um wegzulassen.
Nur ein paar kleine Bilder, die jemand jemandem geschickt hatte.
Heute liegen sie in Archiven. Das Museum für Kommunikation in Berlin bewahrt über 200.000 davon, die Universität Osnabrück unterhält ein eigenes Archiv historischer Bildpostkarten. Was einst zu unanständig für die Post war, liegt nun hinter Glas und wird erforscht.
Erforscht wird, was die Menschen bewegte, was ihnen wichtig war, worüber sie lachten, wen sie verehrten und wen sie verachteten. Historiker, Kunsthistoriker, Germanisten, Musikwissenschaftler und Textilforscher lesen dieselben Karten, jeder auf seine Art.
Und so tun Ansichtskarten, was Kunst tut: Sie berühren. Und manchmal reicht dafür ein Stück Papier, das in eine Hand passt.
