August 21, 2021

Nachhaltigkeit ist ein Thema von großer Bedeutung, und es betrifft uns alle. Aber wie sieht es eigentlich in der Kunstwelt aus? Ist Nachhaltigkeit hier auch ein Thema?
Leider ist die Antwort oft "nein". Obwohl es einige Künstler und Institutionen gibt, die sich für Nachhaltigkeit einsetzen, bleibt die Mehrheit der Kunstwelt noch immer von diesem Thema unberührt. Als Künstlerin und jemand, der Kunst liebt, ist es mir ein Anliegen, die Rolle der Kunst in der Nachhaltigkeitsdebatte zu untersuchen. Der Ressourcenverbrauch meiner Arbeit ist mir ständig bewusst. Aufzuhören Kunst zu schaffen ist allerdings keine Alternative. 

Wie können wir also als Kreative unsere Verantwortung gegenüber der Umwelt wahrnehmen und gleichzeitig weiterhin unser Bestes geben, um die Schönheit und den Ausdruck in der Kunstwelt zu bewahren? In diesem Blogartikel möchte ich das Bewusstsein für Nachhaltigkeit in der Kunstwelt schärfen und aufzeigen, wie auch Kreative und Kunstliebhaber einen Beitrag dazu leisten können, eine nachhaltigere Kunstszene zu schaffen.

Eine unschöne Wahrheit: Wenn Kunst die Umwelt verschmutzt

Die Welt der Kunst und Kultur ist faszinierend und vielfältig, doch sie hat auch eine Schattenseite: einen hohen Ressourcenverbrauch. Das haben verschiedene Studien untersucht. Darunter eine des Center for Sustainable Practice in the Arts (CSPA) aus dem Jahr 2019 und eine der Klima-Kampagne Julie's Bicycle in Zusammenarbeit mit der britischen Kunstorganisation Arts Council England aus dem Jahr 2018. Beide Institute setzen sich für eine Förderung von Nachhaltigkeit in der Kunst- und Kulturbranche ein.

Die Studien kommen zu dem Ergebnis, dass die Kunstindustrie jährlich Tonnen von Abfall und Treibhausgasemissionen produziert. In den USA ist die Kunstindustrie sogar für etwa 10% der Treibhausgasemissionen des Landes verantwortlich, während sie in Großbritannien jährlich 5,2 Millionen Tonnen CO2e produziert.

Diese Ergebnisse sind besorgniserregend und zeigen, dass es an der Zeit ist, dass Künstler und Kunstorganisationen nachhaltige Praktiken in ihre Arbeit integrieren. Denn trotz dieser Herausforderungen ist die Kunst- und Kulturbranche von großer Bedeutung und Wichtigkeit. Sie ist ein Ausdruck der menschlichen Kreativität und ein wichtiger Bestandteil unseres kulturellen Erbes. Kunst und Kultur sind unverzichtbar für uns Menschen.

Es ist daher wichtig, dass Künstler und Kunstorganisationen ihre Arbeit auf umweltverträgliche Weise gestalten und sich für nachhaltige Praktiken einsetzen. Das gilt für Museen und große Kulturbetriebe. Es liegt aber auch in der Verantwortung jedes einzelnen Künstlers. Hier sind einige Schritte, die ich unternommen habe, um meine Kunst nachhaltiger zu machen:

8 Schritte zur Nachhaltigkeit in der Kunst:

Verzicht auf Einmal-Produkte

Ich benutze weder Abreißpaletten noch Einweg-Handschuhe, Küchenkrepp oder sonstige Einweg-Produkte. Stattdessen verwende ich Paletten, die ich reinigen kann oder auch Haushaltsverpackungen, die ich aufgehoben habe. Als Maltuch dienen mir alte T-Shirts meiner Söhne und alte Trockentücher.

Handschuhe nutze ich übrigens nicht, um meine Hände zu schützen, sondern darum, das Papier zu schützen. Für diesen Fall benutze ich aber waschbare Baumwoll-Handschuhe oder ein Tuch, auf dem ich meine Hand ablege.

Zweckentfremden und Wiederverwenden

Nicht jedes Kunstwerk gelingt auf Anhieb. Doch anstatt die Materialien wegzuwerfen, gebe ich ihnen eine zweite Chance. So werden Leinwände wieder übermalt oder Papier findet in Mixed-Media-Werken einen neuen Nutzen. Andere Materialien kann ich nutzen, um Kunstwerke für den Versandt sicher zu polstern. Zuerst schaue ich mich in meinem Haushalt nach passenden Werkzeugen um, bevor ich neue kaufe. Auf diese Weise haben schon Tortenheber, Nagelbürsten oder Teigschaber ihren Weg in mein Atelier gefunden.

Gute Pflege

Nach der Benutzung reinige ich mein Malwerkzeug immer direkt und schonend. Dabei verwende ich umweltverträgliche Kernseife, die auch gut für die Pinsel ist. Übrigens, Pinsel niemals stehend (in einem Glas oder ähnlichem) trocknen. So sammelt sich nämlich Feuchtigkeit in der Zwinge und kann zu Rost führen. Am besten trocknet man sie hängend in einem Pinselständer, oder liegend auf einem saugfähigen Tuch. So bleiben meine Pinsel, Malmesser und weiteres Malwerkzeug lange erhalten und müssen nicht ständig ausgetauscht werden.

Keilrahmen aus nachhaltiger Forstwirtschaft

Ich verwende ausschließlich Leinwände auf Rahmen aus FSC-zertifiziertem Holz. Das Holz von billigen Keilrahmen stammt oft von illegal geschlagenem Holz, welches auch nicht ausreichend abgelagert ist und sich verziehen kann. Das ist nicht nur ärgerlich, da das Kunstwerk dann nur noch für den Müll taugt, es ist auch alles andere als nachhaltig.

Künstlerpapier

Viele meiner Kunstwerke entstehen auf Papier. Die Qualität spielt dabei eine wichtige Rolle für mich. Doch auch die Umweltbilanz ist entscheidend. So verwende ich fast ausschließlich holzfreies Papier, besonders erwähnen möchte ich das umweltfreundliche Steinpapier. Gerne greife ich auch auf das Künstlerpapier von Hahnemühle zurück, das sowohl umweltfreundlich als auch von hoher Qualität ist.

Farben

Auch bei meinen Farben achte ich sowohl auf Qualität, als auch auf Umweltverträglichkeit. Nach Möglichkeit wähle ich natürliche Pigmente mit natürlichen Bindern wie z.B. Honig. Ich bevorzuge Farben der Firmen Sennelier und Schmincke. Für die Zukunft plane ich aber meine Farben selbst anzurühren, um mehr Kontrolle über die Inhaltsstoffe zu haben.

Pinsel

Ich verwende keine Echthaar-Pinsel mehr. Denn das Echthaar in Pinseln stammt teilweise von Pelzfarmen - schlimm genug, denn dadurch wird der Pelzhandel unterstützt. Das möchte ich auf keinen Fall. Schlimmer noch ist es, wenn das Haar von Tieren stammt, die mit Schlingfallen oder Schlageisen gejagt werden. Diese führen zu Knochenbrüchen, Fleischwunden und ausgerenkten Gelenken, aber töten oft oftmals nicht unmittelbar. Der Tod der Tiere zieht sich oft über viele Stunden hin, ist brutal und qualvoll.

Gute Synthetik-Pinsel kommen den Eigenschaften von Echthaar-Pinseln inzwischen sehr nahe. Daher sind sie wunderbar für jede Anwendung geeignet. Außerdem saugen sie weniger Farbe auf - die später so auch nicht ungenutzt ausgewaschen werden muss, sie sind leichter zu reinigen und robuster. Alles kleine Zusatzpunkte in Sachen Nachhaltigkeit, und dann sind sie auch noch günstiger. Für mich gibt es nichts, was noch für Echthaar-Pinsel spricht.

Voraussicht

Generell versuche ich nach Möglichkeit Müll zu vermeiden. So nehme ich lieber erstmal weniger Farbe, als dass ich überschüssige Farbe später nicht verwenden kann. Bleibt doch mal Farbe übrig, befeuchte ich sie und wickle sie in aufgehobene Verpackungsfolie, damit ich sie später noch für ein neues Bild verwenden kann.

Die letzten Acryl-Farbreste wasche ich nicht ab, sondern lasse sie trocknen. Der so entstandene Film lässt sich leicht abziehen und entsorgen. So gelangt die Acrylfarbe nicht ins Trinkwasser. Apropos Wasser – Wasser z.B. aus der Wärmflasche verwende ich für meine Aquarellmalerei weiter.

Weitere Möglichkeiten für Nachhaltigkeit in der Kunst

Neben diesen Tipps gibt es noch weitere Möglichkeiten Kunst nachhaltig zu gestalten. Wenn es mir möglich ist, setzte ich auch diese um.

  • Verwendung von Naturmaterialien wie Holz, Stein, Ton oder Naturfarben
  • Verwendung von gebrauchtem oder recyceltem Material
  • Zusammenarbeit mit lokalen Herstellern oder Händlern, um Transportwege zu minimieren
  • Verzicht auf unnötige Verpackungen und die Verwendung von umweltfreundlichen Verpackungsmaterialien
  • Förderung von Nachhaltigkeit durch die Darstellung von umweltrelevanten Themen in Kunstwerken
  • Außerdem spende ich oftmals einen Teil der Erlöse aus dem Verkauf meiner Kunstwerke an gemeinnützige Organisationen, die sich für Arten- und Umweltschutz und Nachhaltigkeit einsetzen. Durch bewussten Umgang mit Ressourcen und Materialien sowie Voraussicht und Planung können wir Künstler*innen einen Beitrag zu einer nachhaltigen Zukunft leisten.

    Kunst als nachhaltiger Impulsgeber: Veränderung durch Inspiration

    Die Kunst- und Kulturbranche hat in den letzten Jahren zunehmend erkannt, dass sie eine Verantwortung für die Umwelt hat und dass sie dazu beitragen muss, den Klimawandel und andere ökologische Herausforderungen anzugehen. Sie kann auch eine wichtige Rolle bei der Förderung nachhaltiger Verhaltensweisen und bei der Schaffung von Bewusstsein für Umweltprobleme spielen. 

    Die Künstlerin Maria Cristina Finucci hat mit ihrer Installation "Garbage Patch State" ein beeindruckendes Werk geschaffen, das ein wichtiges politisches Statement setzt. Die Installation besteht aus recyceltem Plastikmüll und erinnert uns an die traurige Realität, dass unsere Ozeane durch den massiven Einsatz von Plastik stark verschmutzt sind. Die Idee für "Garbage Patch State" entstand aus einer persönlichen Erfahrung Finuccis. Während eines Segeltörns durch den Pazifik hatte sie selbst die Auswirkungen des Plastikmülls auf die Umwelt erlebt. 

    Die Installation zeigt eine fiktive Insel, die aus dem Müll gebildet wurde, der sich im Nordpazifik ansammelt. Sie ist mit Flaggen und Wappen dekoriert, die an eine unabhängige Nation erinnern sollen - eine ironische Anspielung darauf, dass wir als Menschheit es versäumt haben, unsere Ozeane zu schützen und stattdessen eine Nation aus Plastikmüll geschaffen haben.

    Die Installation weist auf die dringende Notwendigkeit hin, Maßnahmen gegen die Verschmutzung unserer Ozeane zu ergreifen. Finucci möchte die Aufmerksamkeit auf das Ausmaß der Umweltverschmutzung lenken und gleichzeitig eine Lösung aufzeigen. 

    Sie fordert uns dazu auf, uns bewusster mit unserem Verbrauch von Plastikprodukten auseinanderzusetzen und alternative Lösungen zu finden, um die Umweltverschmutzung zu reduzieren.

    Das Werk "Spiral Jetty" des Künstlers Robert Smithson zeigt, wie Kunst und Nachhaltigkeit miteinander vereint werden können. Die Installation besteht aus natürlichen Materialien wie Erde, Salz und Steinen und wurde im Jahr 1970 am Ufer des Great Salt Lake in Utah errichtet. Die spiralförmigen Landzunge erstreckt sich in den See hinein und erinnert an die Strudelbewegungen des Wassers.

    Besonders berührend ist die Veränderlichkeit und die Vergänglichkeit von Spiral Jetty. Es unterliegt den natürlichen Kräften der Umwelt, die es ständig verändern und formen. Das Werk wird durch die Gezeiten und das Wetter beeinflusst und ist somit nie das gleiche. Bei Flut wird das Werk vom Wasser bedeckt, nur bei Ebbe wird es freigelegt und ist dann sichtbar.

     Die salzhaltige Luft, der Wind und das Wasser des Sees tragen zur Verwitterung der Materialien bei. Irgendwann wird es unwiederbringlich verschwunden sein. Die Vergänglichkeit von Spiral Jetty unterstreicht die Bedeutung des Wandels und der Anpassung in unserer sich ständig verändernden Welt. Es ist ein Kunstwerk, das mit der Natur in Harmonie steht und auf die Veränderungen und Vergänglichkeit des Lebens aufmerksam macht. Spiral Jetty ist ein beeindruckendes Beispiel für nachhaltige Kunst, die sich in die Umwelt einfügt und die natürlichen Kräfte nutzt, um ein visuelles Erlebnis zu schaffen. 

    Diese Beispiele zeigen, wie Kunst als Mittel zur Bewusstseinsbildung und Veränderung eingesetzt werden kann. Kunst kann so viel mehr, als nur schön und unterhaltsam sein. Sie trägt dazu bei, gesellschaftliche Probleme aufzuzeigen und zu lösen. Nachhaltige Kunst ist eine eindringliche Erinnerung daran, dass wir als Gesellschaft Verantwortung für unsere Umwelt und unser Handeln übernehmen müssen, um eine nachhaltige Zukunft zu schaffen.

    Was denkst du darüber? Hast du Tipps für eine nachhaltige Kunstpraxis? Oder kennst du nachhaltige Kunstwerke oder Künstler*innen, die dich beeindruckt haben? Ich freue mich auf deinen Kommentar!

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    About the Author Lea Finke

    Lea Finke ist Künstlerin mit ganzer Seele. In ihrem Blog erzählt sie von Inspiration, Leidenschaft und der Begegnung mit Kunst.

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